Transfusionsmedizin heute
Vor allem das plötzliche Auftauchen von AIDS führte in den 80er-Jahren zu einem Schock und einer breiten Diskussion über die Sicherheit von Blutkonserven. Spätestens seit 1985 werden Blutkonserven systematisch auf HIV, dem Erreger von AIDS untersucht. Die Entdeckung von Hepatitis C führt Anfang der 90er Jahre zur Einführung weiterer Testverfahren. Insgesamt haben die Einführung und kontinuierliche Weiterentwicklung scharfer Kontrollmechanismen, Spenderauswahlkriterien, Quarantänelagerung und Routinetests im Labor die Gefahr von Infektionen durch Blutkonserven inzwischen auf ein absolutes Minimum reduziert. Die Möglichkeiten der Gentechnik haben die Feststellung von Krankheitserregern im Blut inzwischen weiter revolutioniert. Die Gefahr, sich durch eine Blutkonserve mit einem der gefährlichen Viren zu infizieren, liegt derzeit bei:
Virus | Wahrscheinlichkeit einer Infektion |
---|---|
HIV | 1 : 1.000.000 bis 1 : 10.000.000 |
Hepatitis B | 1 : 100.000 bis 1 : 1.000.000 |
Hepatitis C | geringer als 1 : 10.000.000 |
Heute werden von deutschen Krankenhäusern und Arztpraxen jährlich rund fünf Millionen Blutkonserven übertragen. Das sind etwa 15.000 täglich. Die moderne Transfusionsmedizin ist dabei gemäß dem Transfusionsgesetz mit zwei zentralen Aufgaben konfrontiert: Auf der einen Seite muss eine ausreichende Zahl von sicheren Blutspenden trotz sinkender Spendebereitschaft gewährleistet werden. Auf der anderen Seite dürfen die Spender durch die freiwillige Blutspende keine gesundheitlichen Schäden erleiden.
Moderne genetische Verfahren ermöglichen inzwischen die sichere Bestimmung von Blutgruppenmerkmalen und die Diagnostik von Krankheiten. Die Stammzellapherese als schonendes Verfahren zur Stammzellgewinnung hat vielen Patienten mit Krebserkrankungen in den letzten Jahren völlig neue Perspektiven eröffnet. Insgesamt hat sich die Transfusionsmedizin zu einem emanzipierten Fach entwickelt, das mit einem breiten Spektrum an Aufgaben viele Erfolge der modernen Medizin erst ermöglicht.